Ein seltsames Jahr war es. Jedes Jahr ist seltsam. Der Jahresrückblick in den Nachrichten läuft für mich so ab:
Tod
Terror
Naturkatastrophe
Ein bisschen Merkel
Etwas Schulz
Hamburg brennt
Sterben
Terror
Weihnachten
Silvester

Darum will ich, damit das Jahr für mich so nicht endet, hier meine einprägsamsten, seltsamen Ereignisse aufzeigen.

 

Im Blog

Tatsächlich habe ich beinahe in jeder Woche einen Blogartikel geschrieben.
Davon wurde nicht ein Fünftel veröffentlicht.

 

Kurzfilm-Intermezzo

Irgendwie, alles geschieht immer irgendwie, bin ich bei einem kleinen Filmteam gelandet. Wir zogen Lose, welche Geschichte verfilmt wird und schon fand ich mich zwischen zwanzig wuselnden Menschen in einer kleinen Wohnung wieder, beantwortete Fragen zu Figuren, Inhalt, Ausstattung und war insgesamt davon überwältigt, wie viel Aufwand man für einen Kurzfilm von fünf Minuten betreiben kann.

Wir haben alles aus dem einen Zimmer der Ein-Zimmer-Wohnung entfernt, eine zweite Küche besorgt, weil sich die eigentliche Küche nicht demontieren ließ und im Schlaf-Wohnzimmer eine zweite Küche aufgebaut.
Für die Zeit des Drehs schlief der Wohnungsbesitzer zwischen Stativen, Generator und Lichtequipment auf dem einzig übrigen Wirtschaftsweg auf einer Luftmatratze, die Luft verlor, stieß sich beim Aufwachen den Kopf an einem Stativ und grinste, als wir mit 10 Litern verdorbener Käsesuppe und den enthaltenen zwei Kilogramm Hackfleisch versehentlich die einzige Toilette verstopften.

Meine Gedanken dazu: Mist, Hackfleisch in der Klobürste.
Unser aufopferungsvoller Wohnungsbesitzer: »Alles für die Kunst.«

 

Nachrichten und Nächte

Die MOAB, die mich zunächst an ein arabisches Gericht denken ließ, entpuppte sich als GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast und zeigte uns ihre Sprengkraft im ersten Viertel des Jahres. Mich würde es freuen, wenn, wie bei jeder anderen Seifenoper auch, nur eine Folge pro Woche aus dem Weißen Haus gesendet würde.

 

Noch immer führe ich Tagebuch, der beste extraterrestrische Traum in diesem Jahr (die von der Erde benötige ich noch):

Wir haben den Mars besiedelt, golfballähnliche Unterkünfte nennen wir unser Zuhause. Dinosaurier sorgen dafür, dass sich eine Atmosphäre bildet. Unter ihrer Haut befindet sich Phytoplankton. Dank des Phytoplanktons müssen sie keine Nahrung aufnehmen und können sich von diesem Ernähren. Manchmal kauen sie an einer Extremität. T-Rex ist in einem Mars-Zoo zu sehen.

Wissenschaftler leben unter der Erde, tragen weiße Kittel, züchten riesige Kuschelkatzen und Dinosaurier. Ihre Köpfe sind zu wichtig, um sie den Gefahren der Marsathmospäre auszusetzen. Sie brauchen etwas, das sie streicheln können, daher die riesigen Kuschelkatzen.

Trump streitet mit einem Herren in Militäruniform. Jener spricht Russisch. Trump meint, dass wir die Erde nicht bräuchten, will sie sprengen und drückt versehentlich den Knopf, der die Nuklearwaffen auf dem Mars aktiviert.

Es folgt eine nukleare Explosion.

Staubwolke.

Stille.

Zombieapokalypse.

Strahlen der Nuklearwaffen verwandeln jegliches Leben, das sie durchdringen, in totes, lebendes Gewebe. T-Rex bricht aus dem Zoo aus, wird wild und beißt plötzlich in alles, was ihm vor die Zähne kommt. Ich rette mich auf eine zwei Meter hohe Palme, da beißt er bestimmt nicht rein. (Traumlogik! Na klar beißt der rein.)

Einer der Wissenschaftler öffnet eine Untergrundluke unter meiner Palme. Ich lasse mich hineinfallen. Die Zähne des Sauriers entsprechen meiner Körpergröße. Ich lande auf einer Kuschelkatze. Unter der Erde ist man aufgeregt, nicht aufgrund der Vernichtung allen Lebens oberhalb, nein, sie freuen sich darüber, dass sie die Ersten sein dürfen, die eine Zombieapokalypse miterleben. Wir stoßen mit Milch an.

 

Was sagt mir das? Weniger Horror- und Zombiefilme zum Frühstück, ein Planetenwechsel ändert nicht unsere Nachrichten und Jurassic Park war toll.

 

#MeToo

Die gesellschaftsverändernde MeToo-Debatte, von der in der Stadt gesprochen wird auf dem Lande:

»Dein Onkel hat eine neue Freundin.«

»Aha. Und wie ist sie so?«

»Sie kann Fensterputzen.«

»Ist das dein Ernst?!«

»Kuchen hat sie auch schon gebacken.«

»Du kannst Menschen nicht darauf reduzieren, wie alt sie sind und ob sie putzen oder backen können!«

»Was denn noch?«

oder:

»Frau S. hat keinen Mann mehr.«

»Oh, das tut mir leid. Ist es schon lange her? Waren gar keine Blumen auf dem Friedhof zu sehen.«

»Sie hat ihn rausgeschmissen!«

»Wirklich? Wow! Cool. Warum?«

»Er wollte kein Holz hacken.«

»Und jetzt?«

»Na, jetzt bringt die wieder Unruhe ins Dorf!«

 

Die gleiche MeToo-Debatte in der Stadt, auf der Straße:

»Verpiss dich du Schlampe! Mach gefälligst den Weg frei!«

 

Ausflüge und Abenteuer

In Cadolzburg, das ist ein kleiner Ort nahe Nürnberg, habe ich bei dem Blogger- und Instagram-Treffen mitgemacht, welches von Tanja Praske (KulturMuseumTalk) promotet wurde.

Am Samstagabend wollten wir in Cadolzburg sein. Meine Kollegin fragte, was ich am Wochenende machen wolle. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich weder Auto, noch Zugtickets oder Unterkunft organisiert hatte und es innerhalb von vierundzwanzig Stunden durch halb Deutschland und wieder zurück schaffen wolle. Natürlich hat sich ein Auto gefunden und ich bin durch das halbe Land gefahren, nur um mir eine Burg anzusehen.

Es ist praktisch, wenn ich mich ein bisschen mit den Dingen beschäftige über die ich schreiben möchte. So habe ich immer eine Ausrede, um allerhand Einfälle auszuprobieren.

Bei einer anderen Aktion war ich im Schloss Babelsberg, das übrigens einen unsichtbaren Küchengang besitzt, der für Besucher nicht zugänglich ist und herrlich nach Seeschlamm riecht, also verrottendem Laub, zu lang eingeschlossener Luft, Wasser und etwas Bitterem. Die Aussicht von der Terrasse ist wunderbar. Es war früher ein Aufzug im Schloss, der allerdings abgerissen und vermauert wurde. Auf den roten Ziegeln in einem der Gänge ist allerdings noch der Abdruck dessen zu sehen.
In mir stieg Robert-Langdon-Feeling auf.

 

Schreibjahr im Jahresrückblick 2017

Auch in diesem Jahr habe ich Kurzgeschichten geschrieben, Studien angefertigt, mein Notizbuch verloren, am NaNoWriMo teilgenommen, mit Nanos in Etablissements zusammengesessen, in der Schreibgruppe Kritik abgeholt, meine NaNo-Urkunde an die Wand gepinnt, das Notizbuch wiedergefunden, meinen PC zu jedem möglichen und unmöglichen Ort geschleppt und ein besseres Buch geschrieben.

Jahresrückblick 2017

Weitere Nano-Urkunde an der Wand

In Anbetracht aller Ereignisse, die dieser Tage Revue passieren, kann ich nur sagen, dass mein Jahr angereichert war mit spannenden Orten und Menschen.
Den lieben Lesern dieses Blogs gebe ich diesen Gruß mit in das neue Jahr:

Wenn alle Tage enden, bereuen wir, was wir nicht getan haben, also bleibe neugierig.