Die Grundaussage einer Geschichte zu definieren, bevor sie niedergeschrieben wird, kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, dass man sein Ziel erreicht. Wie oft hast du schon versucht, einen Berg zu besteigen und hast die Tour auf der Hälfte der Strecke abgebrochen? Für mich gibt es nur ein einziges Ziel, wenn es darum geht einen Berg zu besteigen, das Gipfelkreuz.

Ohne die Definition eines Zieles, kannst du es nicht fixieren und zack, kommst du vom Weg ab, zumindest geht es mir so.

Wie definiere ich die Grundaussage einer Geschichte?

Mir geht es so, dass ich Aufgaben nur schwer bearbeiten kann, wenn ich nicht weiß, warum. Das Warum bezieht sich dabei weniger auf die Frage, ‘Warum sollte man sich damit beschäftigen?’, als vielmehr danach, ‘Warum willst du dich damit beschäftigen?’.

Die Grundaussage einer Geschichte ist, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Metaebene, die sich nicht mit der Handlung direkt beschäftigt, jene aber bedingt.

Auf der Suche nach einer für mich zufriedenstellenden Antwort, bin ich bei SMART, einer Methode aus dem Projektmanagement, gelandet.

 

Spezifisch Messbar Ansprechend Realistisch Terminiert
Die Definition dessen, was die Grundaussage der Geschichte sein soll. Messbare Ziele lassen sich mit erreichten Ergebnissen vergleichen. ‘Möchte ich zu einem Diskurs anregen? Möchte ich unterhalten?’ Das, was du schreibst, sollte dich ansprechen. Du beschäftigst dich in deiner Freizeit damit. Das Ziel, die Grundaussage in der Geschichte zu bearbeiten, sollte realisierbar, recherchierbar sein. Hier steht die Frage nach dem Zeitpunkt der Fertigstellung im Vordergrund.
Was will ich aussagen? Was beschäftigt dich? Wie viel will ich erreichen? Warum will ich die Geschichte, mit diesem Thema als Hintergrund, schreiben? Kann ich das mir gesteckte Ziel erreichen, oder macht eine Anpassung sinn? Wann möchte ich die Grundaussage umrissen haben?

 

  • Was will ich aussagen? Was beschäftigt mich?
    • Ich möchte eine Geschichte über einen langen Zeitraum erzählen, am liebsten von 1813 bis 1880.

      • Ist das wirklich die Grundaussage einer Geschichte? Der Zeitraum kann nicht die Grundaussage meiner Geschichte sein.
    • Wie wäre es mit einer Geschichte, die von 1813 bis 1815 reicht?
      • Das ändert nur den Zeitraum. Weder der Autor in dir, noch dein Held, wissen, was die Grundaussage einer Geschichte ist. Die Wahrscheinlichkeit, auf halber Strecke aufzugeben, ist recht hoch, weil man losrennt und gar nicht weiß, wohin. Meist ergibt es sich dann so, dass man erschöpft ist und meilenweit vom Ziel entfernt.
      • Warum möchtest du unbedingt diese Zeit beschreiben? Möchtest du in den Vordergrund stellen, dass Kooperationen wichtiger sind, als egoistische Alleingänge? Was willst du? Die Grundaussage einer Geschichte kann nicht sein, dass du darüber berichtest, wie das Schlachtfeld aussieht.
    • Europa, das ist Zusammenarbeit und keine chauvinistischen Alleingänge.
      • Schau dir die Folgezeit an. Meinst du wirklich, dass die Befreiungskriege dazu geeignet sind, diese Botschaft zu transportieren?
      • Sicher hast du eine grobe Antwort, was die Grundaussage einer Geschichte ist. Jetzt könnte man sich mit seinem Helden zusammensetzen und ihn fragen, was er oder sie möchte. Europa kennt mein Held nur aus der griechischen Mythologie, als von Zeus, in Form eines Stieres, geraubte Jungfrau.
  • Wie viel will du erreichen?

    • Willst du gleich den 1800 Meter Berg besteigen, oder ist es ok, zunächst mit einem 1200er zu beginnen?
    • Möchtest du zu einem Diskurs anregen oder liegt dein Fokus auf einer Liebesgeschichte?
    • Ist es wichtig, dass sich Leser in der Geschichte selbst erkennen?
  • Warum willst du eine Geschichte mit dieser Grundaussage schreiben?
    • *1001 Gründe eintragen, aus denen Menschen sich dazu entscheiden Geschichten zu bestimmten Themen zu schreiben*
  • Kann ich das mir gesteckte Ziel erreichen, oder ist eine Anpassung sinnvoll?
    • Das ist sicher die Frage nach dem Wissen. Möchte ich mich wirklich mit der Grundaussage auseinandersetzen, gegebenenfalls dazu recherchieren?
    • Dieser Punkt birgt auch einen, nicht ganz unwichtigen, psychologischen Aspekt. Kannst du das, womit du dich beschäftigst, verarbeiten? Als Beispiel möchte ich hier Briefe und Tagebücher aus der Französischen Revolution anbringen. Ein Kammerdiener des Königs berichtete in seinem Tagebuch darüber, wie der Kopf einer ihm bekannten Dame vor einem Fenster hin und her getragen wurde. Wir befinden uns hier nicht im fiktiven Bereich, sondern den realen Erlebnissen einer Person. Manchmal sind Briefe und Tagebücher schwer zu verdauen.
  • Wann willst du dein Ziel erreicht haben?
    • Bsp.: In einer Woche möchte ich die Grundaussage der Geschichte kennen.

Es gibt unzählige Geschichten, die geschrieben werden, weil sie geschrieben werden wollen. Man findet sie in Schreibgruppen, im Tagebuch, bei Freunden, Bekannten, überall. Die Grundaussage einer Geschichte hilft mir dabei, einen Fokus festzulegen.

Es gibt immer wieder Momente, in denen wir feststellen, dass die Menschen, denen wir sie zum Lesen geben, etwas ganz anderes gelesen haben, als wir ihnen vermitteln wollten. Das ist ok.

Der Tag, an dem sie genau das Lesen, was wir geschrieben haben, wird kommen. Vielleicht auch der Tag an dem sich die Kritiker nicht einig darüber sind. Beides ist erstrebenswert.