Dr. Tanja Praske von KulturMuseumTalk, die Bayrische Schlösserverwaltung und @igers_nuernberg haben, zusammen mit den Kuratoren Dr. Uta Piereth, Dr. Sebastian Karnat & Dr. Angelika Merk im Sommer zu einer Führung durch die Cadolzburg eingeladen. Unter der Kennung des #Hohenzollernwalk luden sie sich interessierte Bürger, Blogger, Journalisten, Twitterer und Instagrammer ein, um die Cadolzburg in Cadolzburg vorzustellen.

 

 

Die letzten Besucher verließen am Abend das Museum. Eine leere Burg präsentierte sich uns auf dem Silbertablett.
Anzumerken ist, dass der Hohenzollernwalk nicht nur in Bayern stattfand. Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt, Berlin, Baden-Würtemberg und an anderen Standorten waren ebenso beteiligt und sorgten für ein reges Stimmengewirr in den sozialen Medien.

Dass das alte Gemäuer mit seiner 600 Jahre in die Vergangenheit führenden Ausstellung »HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg« nicht von gestern ist, beweist der spielerische Einsatz zeitgenössischer Medien. Eine App lädt Besucher zur virtuellen Besichtigung der Vorburg im Mittelalter ein und dank der Augumented Reality kann man den Zustand der Burg um 1250 erleben.

Waffenkammer Wandbild

Bild aus der Waffenkammer

Die Stammburg der Zollern findet sich auf dem Burgberg bei Hechingen im heutigen Baden-Württemberg. Ende des 12. Jahrhunderts kam eine Linie des Geschlechts der Hohenzollern aus dem heutigen Baden-Württemberg nach Franken. 1190/91 wurden sie vom Kaiser zu den Burggrafen von Nürnberg ernannt. Im 13. Jahrhundert gelangten die Cadolzburg und das umliegende Gebiet in die Hände der Zollern, die sich erst später Hohenzollern nannten.

In der Stadt Nürnberg hielt es die Hohenzollern aufgrund von Streitigkeiten nicht lange. Im 14. Jahrhundert kam es zu stärkeren Meinungsverschiedenheiten mit der Bürgerschaft in Nürnberg und man verlegte den Herrschaftsschwerpunkt nach Cadolzburg. Von hier aus stiegen die Zollern zu den Kurfürsten der Mark Brandenburg im Jahre 1415 auf und gehörten so zu den sieben Königwählern.

Wenn du der Meinung bist, dass dir das nicht genügend Zahlen sind, dann schau bei der Bayrischen Schlösserverwaltung vorbei. Die Geschichte der Cadolzburg hat man für Interessierte in einer Zeittafel aufgelistet.

Wer war dieser Cadold/Kadolt von der Cadolzburg?

Im Mittelalter taucht der Eigenname häufiger auf, Belege für historische Personen, die im Zusammenhang mit der Burg stehen, finden sich jedoch nicht. Mehrere Spuren bietet man zur Namensgebung dennoch an:

Spur 1: Kadolt, Grenzgraf Karls des Großen und Gründer des Klosters Herrieden (Ende des 8. Jhd.), der später in das Kloster eintrat und im Bistum Eichstätt als Heiliger verehrt wird, könnte Namensgeber der Burg sein. Da sich aber nur wenige, verstreute Besitzungen nahe Großhabersdorf nachweisen lassen, ist fragwürdig, ob er der Namensgeber des Ortes ist.

Spur 2: Kadolt, der uneheliche Sohn Kaiser Arnulfs aus dem 9. Jahrhundert, wird nur sagenhaft im 18. Jhd erwähnt und ist damit wohl die kälteste Spur.

Spur 3: Im 11 Jhd. taucht in einer Herriedener Urkunde der Name eines Adligen als Zeuge auf. Auch er könnte Namensgeber der Burg sein

Spur 4: Alle anderen Spuren verlaufen in die Leere und man setzt an einer anderen Stelle an? 1157 wird Helmericus de Kadoldesbure als Vogt der Pfarrei Erbach in einer Urkunde erwähnt. Auch hier kann man keinen Rückschluss auf den Burgbau ziehen.

 

Wie alt ist die Anlage?

Einige Burgteile lassen sich auf die Zeit um 1250 datieren. An der Schwadermühle nahe der Cadolzburg findet sich allerdings ein Gräberfeld aus dem 8. Jahrhundert. Daher ist anzunehmen, dass es bereits zuvor eine Siedlung an diesem Punkt gegeben haben muss.

 

Die Sage/n

Auf der Cadolzburg geht der Grehütl um. Sein grüner Hut verschaffte ihm den Namen. Es ist der Henkersknecht, der oft unschuldig Verurteilte enthauptete.
Der Hohe Rat in Nürnberg berief ihn selbst eines Tages zu sich und sprach das Todesurteil über den Grehütl, dessen Enthauptung am Tag darauf stattfand.

Anmerkung: Sagen finden unterschiedliche Ausprägungen. Eine andere Variante beschreibt, dass der Grehütl an der Ostseite vom Burgherren eingemauert wurde. Ein Steinmännchen an der Wehrmauer der Cadolzburg soll noch heute daran erinnern.

Wenn ihr mehr wisst, schreibt es in die Kommentare.

Noch Jahre später will man ihn gesehen haben. Der Pfarrer sperrte eines der Kinder, die sich in der Schlosskapelle auf die Konfirmation vorbereiteten sollten, in eine zur Kirche gehörende Kammer. Hier erschien der Grehütl zur Mittagszeit, starrte den Jungen an und verschwand erst mit dem letzten Glockenschlag. Aus vollem Leib schrie er um Hilfe. Die Köchin erhörte ihn. Verstört brachte man den Jungen nach Hause. Ohne das Bewusstsein zu erlangen, verstarb er, vom Grehütl sprechend, am nächsten Tag.

Die Aufregung hielt sich. Allerorts wollte man dem Grehütl begegnet sein. In der Schule auf dem Schlosshof konnten sich die Kinder nicht mehr konzentrieren. Zur Mittagsstunde hörten sie in jedem Geräusch den Grehütl.

So, oder so ähnlich wird die Sage vom Grehütl weitergegeben.

 

Pferdeschwemme der Cadolzburg

Pferdeschwemme

Pferdeschwemme, hier wurden Pferde gewaschen

Kutsch- und Reitpferde waren nicht nur die wichtigsten Fortbewegungsmittel vor der Erfindung von Fahrrad, Auto und Eisenbahn, sie waren auch ein Statussymbol.
Man könnte auch sagen, dass die Hohenzollern hier in der Pferdeschwemme ihren mittelalterlichen Mercedes wuschen, der dann im Stall mit Hafer und Heu betankt wurde. Vom Marktplatz wurde über eine Holzleitung Wasser in die Schwemme geleitet. Am Ende der Mulde floss es wieder ab.

Wir erfahren, dass diese auf Burgen häufiger vorkamen, sich aber nur wenige erhalten haben.

 

Burggarten

Ein Kaleidoskop mittelalterlicher Ernährungs- und Färberpflanzen findet sich im Burggarten. Kein mittelalterlicher Burggarten hat je so ausgesehen wie dieser. Aus welchem Grund sollte man auch innerhalb der Festungsmauern Färberpflanzen und duftende Blumen ziehen? Herr Karnatz, einer der Kuratoren der Burg, deutet auf die durch Wege getrennten Beete.

 

Auf der Suche nach alten Kulturpflanzen haben sie einen Archäologen gefunden, der heutige Kulturpflanzen zurückzüchtet und diesen mit der Gartenbetreuung beauftragt.
Es geht nicht darum einen Burggarten wie er im 15. Jahrhundert war nachzustellen, sondern dem Besucher einen Einblick in die Vielfalt der damaligen Nutzpflanzenwelt zu geben.
Es summt um uns herum. Die Sonne gibt alles. Bekannte und Fremde, Sichtbare und Unsichtbare schreiten in einer Prozession vorbei, verteilen, vermischen sich und werden auf dem Weg zum Innenhof lebendig.

 

Innenhof

Burgtor, Ringmauer und Palas entstammen der ersten bekannten Bauphase der Burg um 1250. Der Palas ist der hintere Teil des neuen Schlosses. Die Bezeichnungen Neues und Altes Schloss führen den Besucher in die Irre, da das Neue Schloss von den Fundamenten her der wesentlich ältere Teil der Anlage ist und das Alte Schloss jünger.

Das jüngere Alte Schloss

Kurfürst Friedrich I. ließ zu Beginn des 15. Jahrhunderts das alte Schloss bauen, das wiederum von seinem Sohn Albrecht ausgebaut wurde.

Das ältere Neue Schloss

Den Namen verdankt dieser Teil des Schlosses den späteren Umbauten, die in der Schaufassade gipfelten, welche von der Vorburg aus sichtbar werden.
Auf der linken Seite findet sich der Küchenbau. Dieser war ursprünglich größer und schloss auch den Teil des Schlosses mit ein, auf dem nun das Tretrad steht. Der Küchenbau wird durch den Ochsenschlot dominiert, einem nachträglich angebrachten Rauchabzug.

 

Tretrad-Tretmühle-Tretkran

Es steht im Burginnenhof, kaum dass du das Tor passiert hast. Wenn du dachtest, dass du erst nach Guédelon fahren musst, um eines in freier Wildbahn zu sehen, dann vergiss es. Hier steht eines.
Einfach so.
Das Tretrad kennst du vielleicht nur als hölzerne Miniatur, die sich hinter Glasvitrinen versteckt.
Das hier ist keine Miniatur.
Hier ist keine Glaswand.
Cadolzburg besitzt ein echtes Tretrad.
Ein maßstabsgetreues Tretrad verschenkt von den Österreichern.

Tretkran

Nachbau eines Tretkrans aus dem Mittelalter

Sie sehen aus wie riesige Hamsterräder und so werden sie auch angetrieben.
Das antike Laufrad findet sich seit dem Römischen Reich als Antrieb für Mühlen, Kräne usw. und nutzt die Arbeitskraft von Mensch und Tier. Als Tretmühle wird das Tretrad auch bezeichnet und beschreibt die monotone Tätigkeit, die damit ausgeführt wurde.

Treträder traten dort auf, wo große Gebäude errichtet wurden, wie zum Beispiel Kirchen, und wuchsen mit den Mauern in die Höhe. In einigen der errichteten Anlagen finden sich noch heute Tretkräne, wie der Abtei des Mont-Saint-Michel. Reparaturen nahmen die Menschen zu allen Zeiten an ihren Bauten vor. Damit nicht bei jeder Reparatur Baumaterial mit der Hand auf die vielstöckigen Gebäude getragen werden musste, beließ man die Treträder unter dem Dach. Sollten Balken verstärkt oder Figuren ausgetauscht werden, konnten Holz oder Stein mit dem Kran emporgehoben werden.

Die Zange an diesem Tretrad dient dem Heben von Steinquadern. Mit zwei bis drei Menschen, die das Rad bewegen, kann man einen Steinquader von 100 Kilo in die Höhe heben.
Falls dein Kopf in einem Anfall Hollywoodscher-Action-Manier gerade Holzsplitter und Menschenkörper durch die Gegend schleudert, weil das Tretrad zu schnell angetrieben wurde, so muss ich dich enttäuschen. Eher bricht das Holz unter der Last zusammen, als dass sich das Rad zu schnell bewegt.

Teil 2: Cadolzburg – Ein modernes Museum